Die Geschichte der Wallfahrtskirche Klausen

Anno 1439

Bruder Eberhard erzählt :

Bild vom Bruder Eberhard

"Geboren wurde ich vermutlich um 1393. Bei den Herren von Esch war ich als Tagelöhner angestellt. Von meinem kargen Lohn sparte ich so lange bis ich mir ein Bildnis der schmerzhaften Mutter Gottes, die ich sehr verehrte, kaufen konnte. Auf dem Weg zur Arbeit zu den Weinbergen von Piesport, die zur Grundherrschaft der Herren von Esch gehörten, stellte ich das Bild der schmerzhaften Mutter Gottes in eine Baumhöhle. Dies war so um das Jahr 1440.

Immer, wenn ich zur Arbeit gehen musste bzw. von der Arbeit nach Hause ging, machte ich eine Pause an dem Bildnis und rief die Gottesmutter an. Auch in meinen freien Stunden betete ich dort des Öfteren. Wanderer, die an dem Bildnis vorbeikamen hielten inne und lobpreisten die Gottesmutter. Nach kurzer Zeit kamen Leute aus der Umgebung zu dem Bildnis und trugen der Mutter Gottes ihre Sorgen, Ängste und Nöte vor.

Eines Nachts gebot mir die Mutter des Herrn in einer Vision, an dem Ort des Bildnisses eine Kapelle zu bauen. Ich dachte, dies sei nur ein Traum, doch er kehrte immer wieder und die Großmutter ermahnte mich eingehend, ihren Befehl zu verwirklichen. In meiner Gewissensnot wandte ich mich an verschiedene Seelsorger, wie den Pfarrherren Johannes von Rivenich. Sie ermunterten mich die Kapelle zu errichten. So entschloß ich mich, den Auftrag der Gottesmutter umzusetzen. Ich hatte keinen Besitz und keine Geldmittel. Schließlich schenkten mir die Herren von Esch ein paar Quadratmeter Land.

Mit ein paar Freunden trugen wir Steine zusammen und konnten begleitet von Spott und Hohn einiger Zeitgenossen, mit dem Werk beginnen. 1442 war die kleine Kapelle von zwei Schritt Breite, drei Schritt Länge und drei Schritt Höhe fertig gestellt. Von einem Meister aus Trier ließ ich ein größeres Bildnis der schmerzhaften Mutter Gottes anfertigen. Immer mehr Wallfahrer besuchten das Gnadenbild. Neben der Kapelle baute ich mir eine kleine Hütte. Die Leute nannten den Ort Eberhardsklause(n). Damit war der Name des zukünftigen Wallfahrtsortes bestimmt. Als die Herrin von Esch schwer erkrankte, bat sie ihren Hauskaplan, eine heilige Messe für ihre Genesung in der Kapelle mit dem Gnadenbild zu zelebrieren. Sie gesundete wieder, jedoch hatte das Ganze ein Nachspiel.

Die Kapelle lag im Pfarrbezirk Piesport. Dessen Pfarrherr Ordonis beschwerte sich bei der geistlichen Behörde in Trier, der Kaplan habe seine Pfarrrechte verletzt und es gewagt, eine heilige Messe auf ungeweihtem Boden zu feiern. Die geistliche Behörde entschied, das Bildnis - trotz Verteidigung der Herrin und Entschuldigung des Kaplans - in die Pfarrkirche nach Piesport zu bringen. Weil ich dies nicht abwendete, ließ mich der Herr von Esch kurzerhand in das Gefängnis von Krames (heute ein Ortsteil von Klausen) werfen. Viele beschwerten sich über Ordonis, den Pfarrer von Piesport. Bittschriften der Bevölkerung veranlassten die geistliche Behörde in Trier schließlich dazu, ihre Entscheidung zu revidieren. Ich wurde aus dem Gefängnis entlassen und auftragsgemäß brachte ich das Bildnis in die Kapelle zurück.
Für die zahlreichen Besucher wurde die Kapelle zu klein und so entschloss ich mich um 1445/46 eine größere von fünf Schritt Länge und Breite mit einem Altar, hinter dem ich das Bildnis aufstellte, zu errichten. Auch wurde die Erlaubnis erteilt, heilige Messen in der neuen Kapelle zu feiern.
Die Pilgerströme nach "Eberhardsklausen" vermehrten sich. Der Erzbischof von Trier, Jakob von Sierck, erkannte die Bedeutung des neuen Marienheiligtums. Bei ihm reifte der Entschluss eine größere Wallfahrtskirche zu bauen. Er sandte mir Peter Lynen aus Klüsserath, der die Bauleitung für die Kirche übernahm. Während der Bauphase sprach der Kardinal Nikolaus von Kues angeblich ein Bauverbot aus, das aber bald wieder aufgehoben wurde. Nach diesen kleineren Schwierigkeiten weihte der Erzbischof persönlich die neue Wallfahrtskirche am 25. März 1449 ein. Für mich war es ein großer Freudentag. Ich hatte meine Mission erfüllt und so rief mich im Jahr 1451 der Herr in sein Reich.
Heute liegen meine Gebeine in einem hölzernen Schrein unter dem Altar in der Gnadenkapelle."

aus dem Kirchenführer der Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung, Klausen